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Ist Proxmox eine echte Alternative zu VMware?

  • vor 4 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit


Die kurze Antwort: Ja – aber nicht für jede VMware-Umgebung

Proxmox VE ist für viele Unternehmen inzwischen eine realistische Alternative zu VMware. Die Plattform bietet zentrale Funktionen, die für den produktiven Betrieb einer Virtualisierungsumgebung wichtig sind: Cluster, Hochverfügbarkeit, Live Migration, verschiedene Storage-Optionen, Backup-Integration und eine zentrale Weboberfläche.

Ein Wechsel sollte trotzdem nicht allein aufgrund der Lizenzkosten entschieden werden.

Ob Proxmox VMware sinnvoll ersetzen kann, hängt vor allem von der bestehenden Infrastruktur ab: Welche VMware-Funktionen werden tatsächlich genutzt? Welche Anforderungen bestehen an Storage und Hochverfügbarkeit? Welche Backup-Lösung ist im Einsatz? Gibt es Herstellerfreigaben oder andere Abhängigkeiten?

Unsere Erfahrung aus VMware-zu-Proxmox-Projekten zeigt: Die technische Migration einzelner VMs ist selten das größte Problem. Entscheidend ist die Architektur darum herum.



Proxmox vs. VMware: die wichtigsten Unterschiede


Wir haben die größten Unterschiede hier einmal tabellarisch dargestellt:

Thema 

Proxmox VE 

VMware 

Virtualisierung 

KVM/QEMU 

ESXi 

Cluster 

integriert 

etabliert über vSphere/vCenter 

Hochverfügbarkeit 

integriert 

umfangreiche HA-Funktionen 

Live Migration 

integriert 

vMotion 

Hyperkonvergenter Storage 

Ceph direkt integrierbar 

unterschiedliche VMware-Storage-Lösungen 

Externer Storage 

z. B. NFS, iSCSI, SAN 

sehr großes Storage-Ökosystem 

Backup 

Proxmox Backup Server und Drittanbieter 

sehr großes Drittanbieter-Ökosystem 

Administration 

zentrale Weboberfläche 

vCenter 

Lizenzmodell 

Open Source, daher kostenfrei + günstige optionale Subscription 

kommerzielles VMware/Broadcom-Modell 

Betriebs-Know-how 

Linux-Know-how hilfreich 

häufig bereits im Unternehmen vorhanden 


Die Tabelle zeigt aber auch, dass Proxmox kein 1:1-Nachbau von VMware ist.

Wer versucht, jede bestehende VMware-Komponente identisch nachzubauen, wird häufig enttäuscht. Sinnvoller ist die Frage, welche Anforderungen die Virtualisierungsplattform tatsächlich erfüllen muss.


Wann ist Proxmox eine gute VMware-Alternative?

Besonders interessant ist Proxmox aus unserer Sicht bei klassischen Unternehmensumgebungen mit Windows- und Linux-VMs.

Typische Ausgangssituationen sind:

  • VMware-Lizenzkosten sind deutlich gestiegen.

  • Eine Verlängerung steht an und Alternativen sollen geprüft werden.

  • Die bestehende Hardware soll möglichst weiterverwendet werden.

  • Eine neue Private Cloud soll aufgebaut werden.

  • Das Unternehmen möchte seine Herstellerabhängigkeit reduzieren.

  • Die Umgebung besteht überwiegend aus klassischen virtuellen Servern.

  • Anforderungen an HA, Backup und Storage lassen sich mit einer offenen Architektur abbilden.

  • Intern ist Linux-Know-how vorhanden, kann aufgebaut werden oder ein Betrieb durch einen Dienstleister ist gewünscht

Gerade im Mittelstand sehen wir viele Umgebungen, bei denen VMware historisch gewachsen ist, aber nur ein Teil des umfangreichen Funktionsumfangs tatsächlich benötigt wird.

Dann lohnt sich eine Proxmox-Evaluation besonders.


Kann Proxmox Hochverfügbarkeit?

Ja, sehr gut sogar.

Proxmox VE unterstützt HA-Cluster und kann virtuelle Maschinen bei einem Node-Ausfall auf einem anderen verfügbaren Node neu starten. Auch die live Migration zwischen Cluster-Nodes ist Bestandteil der Plattform.

Aber wichtig zu verstehen ist, dass ein Drei-Node-Cluster allein noch keine hochverfügbare Plattform macht. 

Betrachtet werden müssen unter anderem auch:

  • Storage

  • Netzwerk

  • Quorum

  • Kapazitätsreserven

  • Backup

  • Monitoring

  • Stromversorgung

  • Standort

  • Wiederanlaufzeiten

Wenn beim Ausfall eines Hosts alle verbleibenden Nodes bereits vollständig ausgelastet sind, hilft die beste HA-Konfiguration wenig.

Deshalb dimensionieren wir Proxmox-Umgebungen nicht ausschließlich nach der normalen Auslastung, sondern berücksichtigen auch definierte Ausfallszenarien.


Braucht Proxmox zwingend Ceph?

Nein.

Das ist eines der häufigsten Missverständnisse rund um Proxmox.

Proxmox unterstützt unterschiedliche Storage-Konzepte. Je nach Umgebung können beispielsweise eingesetzt werden:

  • Ceph

  • vorhandene SAN-Systeme

  • iSCSI

  • NFS

  • ZFS

  • lokaler Storage

Ceph ist eng in Proxmox integriert und kann für hyperkonvergente Cluster sehr interessant sein. Aber Ceph ist nicht automatisch die beste Lösung für jede Umgebung.

Ein vorhandenes SAN komplett zu ersetzen, obwohl es technisch geeignet und noch mehrere Jahre nutzbar ist, kann wirtschaftlich unsinnig sein.

Vor einer Migration sollte deshalb geklärt werden ob Ceph, ein vorhandenes SAN oder eine andere Storage-Lösung am besten zu den Workloads passt.


Kann bestehende VMware-Hardware für Proxmox verwendet werden?

Häufig ja.

Gerade dieser Punkt kann die Wirtschaftlichkeit einer Migration erheblich beeinflussen.

Vor einer Weiterverwendung sollten allerdings mindestens folgende Komponenten geprüft werden:

  • CPU-Generation

  • Arbeitsspeicher

  • Netzwerkkarten

  • RAID- oder HBA-Controller

  • vorhandener Storage

  • Firmware

  • Treiberunterstützung

  • Netzwerkbandbreite

  • verbleibender Hardware-Lifecycle

Für den PoC sollte die Hardware möglichst identisch mit der des realen PoC sein. Wir beraten hierzu gerne individuell.


Was ist mit Backup? 

Auch beim Backup hat sich das Proxmox-Ökosystem weiterentwickelt.

Mit Proxmox Backup Server steht eine eng integrierte Backup-Lösung zur Verfügung. Zusätzlich unterstützt inzwischen auch Veeam Backup & Replication Proxmox VE. In der aktuellen Veeam-Dokumentation werden Proxmox-VE-Versionen 8.2 bis 9.1 unterstützt.

Trotzdem sollte eine bestehende VMware-Backup-Strategie nicht ungeprüft übernommen werden.

Vor einer Migration sollten geklärt werden:

  • Welche VMs müssen gesichert werden?

  • Welche RPO- und RTO-Anforderungen bestehen?

  • Werden anwendungskonsistente Backups benötigt?

  • Wie werden Offsite-Backups umgesetzt?

  • Welche Restore-Szenarien müssen getestet werden?

  • Welche Aufbewahrungsfristen gelten?

  • Gibt es Anforderungen an unveränderbare Backups?


HA ersetzt dabei kein Backup. 

Ein hochverfügbarer Cluster schützt vor bestimmten Infrastrukturfehlern. Er schützt nicht automatisch vor gelöschten Daten, Ransomware oder Fehlern innerhalb einer Anwendung.


Wo ist VMware weiterhin stärker?

Eine seriöse Bewertung muss auch diese Seite betrachten.

VMware verfügt über ein sehr lange gewachsenes Enterprise-Ökosystem. Dazu gehören zahlreiche Herstellerintegrationen, Betriebswerkzeuge und Funktionen rund um Automatisierung und Ressourcenmanagement. VMware vSphere kombiniert beispielsweise HA mit DRS zur automatisierten Ressourcenverteilung; DRS kann VMs abhängig von Ressourcenbedarf und Richtlinien zwischen Hosts verschieben.

Proxmox bietet dafür nicht in jedem Bereich einen identischen Ersatz.

Besonders genau sollte eine Migration deshalb geprüft werden, wenn:

  • spezielle VMware-Funktionen intensiv genutzt werden

  • Anwendungen nur für bestimmte Hypervisoren freigegeben sind

  • proprietäre Storage- oder Netzwerk-Integrationen bestehen

  • komplexe Automatisierungen auf VMware-APIs aufgebaut wurden

  • das Unternehmen stark von VMware-spezifischem Know-how und Prozessen abhängig ist

In solchen Umgebungen kann Proxmox trotzdem geeignet sein, die Migration wird aber komplexer.


Ist Proxmox wirklich günstiger als VMware?

Definitiv! Die Lizenzkosten bei VMware belaufen sich meist auf mehrere fünfstellige Beträge jährlich. Proxmox hingegen ist komplett lizenzfrei. Die Kosten hier belaufen sich lediglich auf den Support. Zum Vergleich:

Die teuerste Subscription, die man bei Proxmox kaufen kann, beläuft sich auf 1.100 Euro pro Jahr pro CPU Sockel. 

Die Funktionen wie HA, Cluster und live Migration stehen unabhängig vom gewählten Subscription-Level zur Verfügung.

Für einen seriösen Kostenvergleich reicht es trotzdem nicht, lediglich zwei Lizenzpreise gegenüberzustellen.

Betrachtet werden sollten mindestens:


VMware heute

  • Lizenz- bzw. Subscription-Kosten

  • Support

  • Hardware

  • Storage

  • Backup

  • Monitoring

  • interner Betriebsaufwand


Proxmox künftig

  • Subscription und Support

  • eventuell neue Hardware

  • Storage

  • Backup

  • Monitoring

  • Migration

  • Schulung und Know-how-Aufbau

  • laufender Betriebsaufwand


Erst daraus ergibt sich ein belastbarer TCO-Vergleich. In der Regel läuft hier Proxmox VMware aber ganz klar den Rang ab und auch die Migrationskosten haben sich, unserer Erfahrung nach, binnen 4-5 Monate schon amortisiert.


Wie läuft eine VMware-zu-Proxmox-Migration ab?

Bei größeren VMware-Landschaften empfehlen wir keine ad-hoc Migration.

Ein typisches Vorgehen sieht so aus:


1. VMware-Umgebung inventarisieren

VMs, Betriebssysteme, CPU, RAM, Storage, Netzwerke und weitere technische Merkmale werden erfasst.


2. Kritikalitäten und Abhängigkeiten ergänzen 

Eine technische VM-Liste reicht nicht aus.

Es muss bekannt sein:

  • Welche Systeme sind geschäftskritisch?

  • Welche Anwendungen gehören zusammen?

  • Welche Datenbanken werden verwendet?

  • Welche Downtime ist akzeptabel?

  • Welche Systeme müssen gemeinsam migriert werden?


3. Proxmox-Zielarchitektur entwickeln 

Jetzt werden Cluster, Hosts, Storage, Netzwerk, HA, Backup und Monitoring geplant.


4. Pilotmigration durchführen

Zunächst werden geeignete, weniger kritische Systeme migriert, am besten sog. “Test-VMs”.

Dadurch lassen sich Migrationsverfahren und Betriebsprozesse unter realen Bedingungen testen.


5. Migrationswellen definieren 

Die übrigen VMs werden nach Abhängigkeiten, Kritikalität und Wartungsfenstern gruppiert.


6. Migrieren, testen und abnehmen

Nach jeder Migration werden Betriebssystem, Netzwerk, Anwendungen und Schnittstellen geprüft.

Für kritische Systeme sollte außerdem ein klar definiertes Rollback-Verfahren bestehen.


Wann würden wir von Proxmox abraten? 

Wir würden einen Wechsel nicht empfehlen, nur weil Proxmox auf dem Papier günstiger erscheint.

Vorsicht ist beispielsweise angebracht, wenn:

  • geschäftskritische Anwendungen keine passende Herstellerfreigabe haben

  • zentrale VMware-spezifische Funktionen nicht sinnvoll ersetzt werden können

  • intern keinerlei Know-how für den späteren Betrieb aufgebaut werden kann

  • die bestehende VMware-Umgebung langfristig wirtschaftlich und technisch sinnvoll betrieben werden kann


Fazit: Ist Proxmox eine echte VMware-Alternative?

Ja. Für viele klassische Unternehmensumgebungen ist Proxmox inzwischen eine ernstzunehmende Alternative zu VMware. 

Cluster, Hochverfügbarkeit und Live Migration sind vorhanden, verschiedene Storage-Konzepte sind möglich und auch das Backup-Ökosystem wird breiter. Wir als Cloud Manta haben bereits viele Migrationen durchgeführt und Kunden beim Aufbau Ihrer neuen Infrastruktur beraten. Wir sind weder Partner noch verfechter eines bestimmten Produkts oder Anbieters, sondern haben es uns zur Aufgabe gemacht, immer die bestmögliche Lösung im Sinne des Kunden zu finden. Und diese lautet häufig Proxmox.


Häufige Fragen zu Proxmox als VMware-Alternative 

Kann Proxmox VMware vollständig ersetzen?

In vielen klassischen VM-Umgebungen ja. Bei speziellen VMware-Funktionen, Herstellerintegrationen oder komplexen Automatisierungen muss vorher geprüft werden, ob gleichwertige Alternativen vorhanden sind.


Ist Proxmox für Unternehmen geeignet? 

Proxmox VE bietet Cluster, Hochverfügbarkeit, Live Migration, Storage-Integration und kommerzielle Support-Subscriptions und kann daher auch für produktive Unternehmensumgebungen eingesetzt werden.


Kann Proxmox Windows Server betreiben? 

Ja. Windows-VMs können unter Proxmox betrieben werden. Bei einer Migration sollten unter anderem VirtIO-Treiber, Boot-Modus, Anwendungen, Backup und Lizenzierung berücksichtigt werden.


Muss man für Proxmox neue Hardware kaufen? 

Nicht zwingend. Bestehende VMware-Hardware kann häufig weiterverwendet werden. Vorher sollten Kompatibilität, Performance, Supportstatus und verbleibende Lebensdauer bewertet werden.


Braucht Proxmox Ceph? 

Nein. Neben Ceph können unter anderem SAN, NFS, iSCSI und ZFS eingesetzt werden. Die Storage-Architektur sollte zu den tatsächlichen Anforderungen passen.


Unterstützt Veeam Proxmox? 

Ja. Veeam Backup & Replication unterstützt Proxmox VE über ein entsprechendes Plug-in; laut aktueller Veeam-Dokumentation werden Proxmox VE 8.2 bis 9.1 unterstützt.


Proxmox statt VMware? Erst prüfen, dann entscheiden.

Cloud Manta unterstützt Unternehmen bei der herstellerneutralen Bewertung, Planung und Umsetzung von Proxmox-Infrastrukturen – von der Bestandsaufnahme und Hardwareprüfung über die Zielarchitektur bis zur Migration geschäftskritischer VMs.

Ihr möchtet wissen, ob Proxmox zu eurer VMware-Umgebung passt? Fragt einen unverbindlichen Ersttermin an!


 
 
 

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